Bratislava, Polen & Dresden 2017

Zweieinhalb Wochen, 3500 Kilometer und ein Auto, leider nicht meins.

 

Also wir den Roadtrip durch Polen geplant hatten, stand eins fest: Wir setzen uns in meinen kleinen Peugeot und düsen einfach los. So einfach wurde es uns nicht gemacht. Mein Auto hat nämlich nur wenige Tage vor unserer Reise den Geist aufgegeben und musste in die Werkstatt. Also haben wir uns noch schnell einen Mietwagen organisiert und dann konnte es endlich los gehen für uns (meinen Mann Christian, meinen Hund Nelly – übrigens auch waschechte Polin – und mich). 

Unsere erste Station war zwar noch nicht in Polen, aber nicht weniger schön: Es ging nach Bratislava in der Slowakei. Eine wunderschöne Stadt (übrigens möchte ich mich schon im Vorhinein entschuldigen…Ich könnte mich bei meinem Reisebericht wiederholen – wir haben fast ausschließlich wunderschöne Städte gesehen), in der man natürlich einige Dinge sehen sollte (die Burg zum Beispiel oder den Martinsdom), aber sich auch in erster Linie treiben lassen kann. 

Einen besonders schönen Überblick über Bratislava hat man vom UFO aus, eine Konstruktion in Form einer fliegenden Untertasse über der Brücke des Slowakischen Nationalaufstandes. Man fährt mit dem Speedlift auf den 85 Meter hohen Turm und hat von oben eine grandiose Aussicht. 

Dort oben gibt es auch ein Restaurant und eine Bar, wir haben es aber bei einem Getränk belassen, weil wir Abends in ein anderes Restaurant mit toller Aussicht gegangen sind. Ok, 85 Meter konnte die „Skybar Lemontree“ nicht bieten, aber dafür leckeres Essen, einen wunderschönen Sonnenuntergang über Bratislava und den lustigsten Cocktail, den ich jemals gesehen und getrunken habe: Eine kleine Badewanne mit Quietscheente und einem leckeren, pinken Gin-Gemisch. Ich gebe zu, dass ich mich für das Restaurant in erster Linie wegen dieses Cocktails entschieden habe - mit optischen Reizen kriegt man mich eben immer -  vor allem, wenn es dabei um schön angerichtetes Essen oder Drinks geht. 

Superschön ist übrigens auch das „Urban Space“. Halb Café, halb Buchladen, eine tolle Stimmung, man kann hier einfach nur sitzen und Menschen beobachten. Übrigens würde ich mich im „Urban Space“ auch bei 36 Grad und schönstem Sonnenschein jederzeit reinsetzen, da ist es einfach so viel schöner als im Außenbereich direkt an der Straße. 

Weiter ging´s nach Krakau und schon unser Hotel war einfach ein Traum: Das „Klezmer Hois“ im jüdischen Viertel Kazimierz. Wer nur auf schicke Designerhotels steht, ist im „Klezmer Hois“ falsch – das ist eher ein Puppenhaus mit antiken Möbeln und Tapeten. Man atmet hier so richtig die Geschichte und beim Frühstück achtet man gar nicht so sehr auf das wirklich mehr als gute Essen, sondern eher auf die vielen Fotos und Briefe, die hier an der Wand hängen.

Ich hab mich in dieses kleine Hotel verliebt und auch in das Viertel, in dem es steht. Alternativ, bunt, trubelig mit viel Streetart und schönen Restaurants, Cafés und Bars. 

So ein ganz besonderer Moment war für uns das Abendessen auf der Dachterasse des „Rubinstein“, ganz in der Nähe unseres Hotels. Warum auch immer, aber wir waren komplett allein. Und wann hat man schon eine Dachterasse mit toller Aussicht auf die Burg für sich allein. Das Essen war toll, die Drinks auch (und das, obwohl es keine Badewanne mit Gin und Quietscheente gab) und hatten einfach nur einen schönen Abend zu dritt mit Nelly, die auch frei laufen könnte und das komplette Dach erkundete. 

Einen tollen Ausblick – dieses Mal auf den Marktplatz – hatten wir in der Sky Bar des Hotel „Stary“. Perfekt für einen Sundowner.

Und wo wir schon bei den schönen Locations sind: Ganz besonders schön war das Restaurant „Pod Aniolami“ in der Nähe des Marktplatzes. Im Kellergewölbe sitzt man hier besonders schön und die rote Bete Suppe (aber auch das restliche Essen) ist der Wahnsinn!

Krakau hat aber nicht nur gutes Essen zu bieten, sondern auch einige Sehenswürdigkeiten wie die Tuchhallen (Achtung! Touristisch!), den Markplatz, 1000 Kirchen und die Burg – mit dem feuerspruckenden Drachen Smog (ja, er spuckt wirklich Feuer!!)

Nach der nächsten schönen Stadt hatten wir erstmal einen ziemlich aufregenden Tag, der erst mit einer Wanderung im Ojcow-Nationalpark begonnen hat (um ganz ehrlich zu sein: Ich glaube, wir sind in Bayern mit den schönsten Wanderwegen verwöhnt, deshalb war ich gar nicht so richtig begeistert). Danach wollten wir zur Błędów-Wüste fahren, einem 3-4 Kilometer langen Gebiet. Und ich greife vorweg: Wir haben diese Wüste nie gefunden. Wir wurden nämlich leider durch einen platten Reifen ausgebremst. Einen Ersatzreifen gab es zwar im Mietwagen, nur leider das falsche Werkzeug dafür, also konnten wir noch nicht mal den kaputten Reifen abschrauben. Also mussten wir geschlagene vier Stunden warten, bis jemand kam, der uns zumindest den Ersatzreifen aufgezogen hat. 

Mit maximal 80 km/h sind wir dann spät Abends noch Richtung Warschau geschlichen. Bis wir auf der Autobahn das Schild eines 24 Stunden Reifenservices entdeckten. Wohoooooo!!!!! Für umgerechnet nur 20 Euro hat unser Held uns in dieser Nacht einen neuen Reifen aufgezogen und so konnten wir in normalem Tempo nach Warschau fahren.

 

Und da ich ja immer so gerne über die tollsten Restaurants und das beste Essen scheibe. Das allerbeste Essen – und zwar mit riesengroßem Abstand waren in dieser Nacht der Käse und das abgepackte Vollkornbrot von der Tankstelle, das wir in unserer AirBnB-Wohnung gegessen haben – abgerundet mit dem leckersten Dosenbier der Welt. Wir hatten seit dem Frühstück nichts mehr gegessen und waren einfach nur glücklich, angekommen zu sein. 

Am nächsten Tag haben wir Warschau erkundet, die Altstadt, wir waren auf einem Streetfoodmarket an der Weichsel, hatten eine grandiose Aussicht vom Kulturpalast und haben im Park „Sächsischer Garten“ das Grab des unbekannten Soldaten besucht. 

Und natürlich haben wir auch hier wieder phantastisch gegessen, im „St Antonio“, ein süßes Restaurant im sächsischen Garten, das wir am Mittag schon beim Vorbeigehen entdeckt hatten. 

Am nächsten Tag sind wir – völlig pannenfrei – Richtung Danzig gefahren, aber nicht, ohne Stopps zu machen.

 

Der erste war in der schönen kleinen Stadt Torun.

Und der zweite Stopp war an der Marienburg, eine riesige Burganlage, die zum UNESCO Weltkulturerbe gehört.

Und dann ging´s nach Danzig. Ich liiiiiiieeeebe Danzig!!! Zwar ist die Innenstadt eine riesige Baustelle, aber das macht nichts. Die Stadt ist trotzdem toll. Vor allem in eine Straße hab ich mich verliebt: In die „Mariacka“ – wie schön kann eine einzige Straße sein?! Verschnörkelte Hausfassaden, süße Cafés und ich hatte das Gefühl, als würden in dieser Straße nur die talentiertesten Straßenkünstler spielen und singen. In der Mariacka hat man das Geühl, als wäre man in einer Zeitmaschine in das Paris der 20er Jahre gebeamt worden. Wir waren in dieser Straße auch in einem Café, aber ganz ehrlich…da kann man einfach nichts falsch machen, weil alles so schön ist. 

Da lege ich euch lieber das „Café Retro“ ans Herz, ein liebevoll eingerichtetes Café mit alten Nähmaschinen-Tischen und dem vielleicht leckersten Dessert Danzigs: Die betrunkene Schildkröte, ein warmer Schokokuchen im Glas mit Eis, Sahne und Kirschlikör. Ich glaube ja, dass die betrunkene Schildkröte kaum Kalorien hat. 

Auch sehr leicht und quasi kalorienfrei….neeee, aber dafür sehr lecker…isst man im „Nova Pierogova“. Es heißt, man bekommt hier die besten Piroggen (gefüllte Teigtäschchen, die es in süß und herzhaft gibt) der Stadt. Ich habe nicht alle Piroggen-Läden in Danzig durchprobiert (sonst säße ich heute noch da), kann aber bestätigen: Die waren wirklich lecker. Übrigens, falls jemand von euch rausfindet, wo die Kleider der Kellnerinnen im „Nova Pierogova“ (blau-weiß-rot gestreift mit Carmenausschnitt) her sind, der bekommt eine Flasche Wein von mir! Passend zu den schönen Kleidern ist der Laden schön maritim eingerichtet, aber nicht altbacken Klabautermann-nautisch, sondern richtig cool. 

Übrigens hatten wir auch in Danzig einen schönen Weitblick, allerdings nicht von einer Sky Bar oder einer Aussichtsplattform, sondern vom Riesenrad „Amber Sky“, das da direkt in der Innenstadt steht und das dauerhaft. 

Von Danzig aus haben wir einen Auflug auf die Halbinsel Hel gemacht. Erst dachte ich, es sei eine blöde Idee, dort mit dem Auto hinzufahren, weil wir wirklich ewig im Stau standen. Aber sonst wären wir im Städtchen Hel gelandet, das ganz an der Spitze der Halbinsel ist und wären dort nicht weggekommen. Und dort hat es mir gar nicht gefallen. Wir waren in der Hauptreisezeit dort, also waren wir umzingelt von Scharen an Touristen. Ja, wir sind auch welche, aber man möchte ja nicht mitten in den Menschenmassen stecken. Richtig schön wurde es dann erst, als wir an einen Hundestrand bei Kuznica gefahren sind. Sooo schön! Ein einsamer Strand mit weißem Sand. Zu kalt um ins Meer zu springen, aber perfekt für einen Strandspaziergang. 

Von Danzig sind wir erst mal nach Zoppot gefahren, auch ein beliebter Ferienort im Sommer und leider war meine Meinung da ähnlich wie in Hel: Sicher eigentlich ganz schön, wenn nur nicht diese Massen an Touristen wären. Was in Zoppot ganz lustig ist, ist das „krumme Haus“ mitten in der Fußgängerzone. Ja, es ist wirklich krumm, das liegt also nicht am Wodka-Konsum. 

Unser nächster Stopp für die nächsten zwei Nächte war Posen, auf unserer Reise sicher die am wenigsten touristische Stadt. Warum eigentlich? Posen ist so schön! Aber nachdem ich mich in Hel und Zoppot ja schon über die Touristenströme aufgeregt hatte, werde ich jetzt nicht über zu viel Ruhe meckern.

 

Der Markplatz mit seinen bunten Häuschen ist auf jeden Fall eine der Sehenswürdigkeiten. Um 12 Uhr gibt´s dort ein „riesen Spektakel“: 2 Ziegenböcke (natürlich keine echten, liebe Tierschützer!) werden an der Turmuhr aus einem Tor gefahren und liefern sich einen erbitterten Kampf. Und dazu trompetet der Türmer wild in alle Richtungen. Und alle Touristen (alle 20, die sich gerade in Posen aufhalten) gucken zu, auch wir. Ich fand es ganz lustig, aber auf dem Münchner Marienplatz ist da doch mehr geboten. 

Was Posen auch zu bieten hat, sind unfassbar süße Restaurants und Cafés:

 

In der „Vine Bridge“ haben wir auf unserer gesamten Reise am allerbesten gegessen (und wir hatten viele gute Restaurants). Polnische Küche, modern interpretiert – seeehr gut!

Richtig cool und alternativ fand ich die Beachbar "KontenerART". Direkt am Ufer der Warthe stehen einige Container rum und man kann hier richtig nett sitzen und den Tag ausklingen lassen. 

Und dann hab ich sogar zwei richtig süße Frühstückstückslocations. Ich kann mich einfach nicht entscheiden, welches ich besser fand, also empfehle ich einfach beide. Das erste heißt "Café Weranda". Wie schön kann man eigentlich Tee präsentieren??? Das Frühstück war auch super und die Einrichtung ganz süß und gemütlich. 

Das zweite ist das "Café Lavanda". Auch ein schönes Café mit großartigem Frühstück. 

Von Posen sind wir dann weiter nach Breslau gefahren. Die Stadt mit den schönsten und süßesten Wahrzeichen, die ich je gesehen habe: Zwerge! 

Die Breslauer Zwerge (die auf polnisch Krasnale heißen) sind aus der politischen Oppositionsbewegung „Orange Alternative“ entstanden. Die hatte in den 80ern gegen das kommunistischen Regime in Polen protestiert und zum Beispiel in Zwergenkostümen demonstriert. Sie hatten auch den allerersten Zwerg, den „Papa Zwerg“ (das ist der erste in der Bildergalerie!) in der Breslauer Altstadt aufgestellt.

Mittlerweile sind es rund 300 Zwerge, die in der ganzen Stadt verteilt sind. Es lohnt sich also, beim Stadtrundgang auf den Boden zu gucken. Aber sie hängen auch an Laternen, sitzen auf Parkbänken oder verstecken sich in den hinterletzten Ecken. Es ist wie eine Schnitzeljagd und ich hab immerhin 65 Zwerge entdeckt. 

Etwas ganz besonderes haben wir auch in der Kirche St. Maria (die auch Sandkirche genannt wird) entdeckt: Dort gibt es die "Kapelle der Blinden und Tauben", ein riesiges Krippenspiel mit vielen Plastik-, Blech- und Holzfiguren (die größtenteils gar nichts mit der Weihnachtsgeschichte zu tun haben, aber das macht nichts). Wenn Besucher kommen, erweckt eine Nonne das Krippenspiel zum Leben und die Figuren wippen, tanzen oder schlagen Glöckchen. Angeblich sind in der Anlage mehr als 80 Motoren verbaut. Richtig toll!

Einen super Ausblick hat man vom Turm des Breslauer Doms. Der Eintritt ist mit umgerechnet 50 Cent echt günstig, mit dem Aufzug geht´s nach oben und dort ist erstaunlich wenig los. Lohnt sich also!

Auch in Breslau haben wir sehr lecker gegessen. Ganz tolles Frühstück gibt es im "Bistro Charlotte". Die selbst gemachten Brotaufstriche sind der Wahnsinn, vor allem die weiße Schokolade. Man bestellt hier nur das Brot dazu und bekommt die Töpfe mit Marmelade und Schokocreme dazu. Mjammiiii!

Eine schöne Location, um Abends Essen zu gehen, ist das "Motyla Noga", das alte Gefängnis in Breslau. Der Innenhof ist richtig schön und das Essen auch super-lecker. 

Von Breslau und seinen lustigen Zwergen sind wir wieder weiter gefahren und zurück nach Deutschland in Richtung Dresden. Dort haben wir einen Stop kurz hinter der polnisch-deutschen Grenze gemacht, an der Rakotzbrücke. Eine Steinbrücke, die mit ihrer Spiegelung im Wasser einen perfekten Kreis bildet. Wunderschön, märchenhaft und es waren überraschend wenige Menschen dort. Ich hatte ja schon mit Reisebussen voller Chinesen gerechnet, weil diese Brücke sooo schön ist. :) 

Natur pur haben wir uns auch nochmal im Elbsandsteingebirge im Nationalpark Sächsische Schweiz gegeben. Wir sind ganz früh an der Bastei gestartet - woooow! Diese Felsformationen sind wirklich besonders! - dann weiter zu Fuß und mit der Fähre zur Festung Königstein und wieder zurück über die Schwedenlöcher (das sind beeindruckende und teilweise ganz schön enge Schluchten) zur Bastei. Insgesamt waren wir sieben Stunden unterwegs, aber es hat sich mehr als gelohnt. 

Die letzte Station unseres Roadtrips war dann letztendlich Dresden. Ich war noch nie dort, deshalb mussten natürlich auch die typischen Touri-Spots sein: Semperoper, Frauenkirche, Zwinger, Residenzschloss. Und: wir waren im schönsten Milchladen der Welt - so ist er betitelt und das stimmt wirklich. Die "Pfunds Molkerei" ist komplett mit Fliesen im  Neorenaissancestil ausgekleidet und sieht einfach toll aus. Eigentlich ist Fotografieren verboten, aber wenn man was kauft und nett nachfragt, darf man schon mal ein Foto machen....oder zwei... ;)

Und wir haben den 66. Zwerg entdeckt. Dresden ist nämlich die Partnerstadt von Breslau und zum 55. Jubiläum der Städtepartnerschaft hat Dresden von Breslau einen Zwerg geschenkt bekommen. Natürlich haben wir den auch gesucht und gefunden.

Normalerweise empfehle ich ja nur Restaurants, bei denen ich sage "geiles Essen, geile Location!". In Dresden mach ich mal eine Ausnahme, denn: "Sehr geile Location!" Unseren letzten Abend haben wir im "Kuppelrestaurant Yenidze" verbracht. Das ist eine ehemalige Zigarettenfabrik, die aussieht wie eine Moschee. Der Fabrikschornstein ist in Form eines Minaretts. Wir saßen draußen in Dresdens höchstem Biergarten und hatten eine grandiose Aussicht. Das Essen war ok aber leider nicht mehr. Für einen Sundowner ist das also der perfekte Platz, die Drinks waren nämlich richtig gut. :)

 

Zweieinhalb Wochen, 3500 Kilometer, ein Platten, 66 Zwerge, sieben Städte, ein Hund und zwei glückliche Menschen mit unzähligen Erinnerungen im Kopf. Schön war´s!